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Auf der Flucht: von Königswalde nach Miami - Sara Cohn zum 150. Geburtstag

Vor 150 Jahren, am 25. Februar 1866, wurde Sara Cohn in Königswalde geboren. 1939, im Alter von 73 Jahren, wurde sie mit 900 anderen jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland plötzlich zum Spielball der Weltpolitik. Ihr Flüchtlingsschiff war im Sommer 1939 mitten auf dem Atlantik heimatlos geworden. Kein Land wollte die Flüchtlinge aufnehmen und die Passagiere wollten lieber in der Nordsee ertrinken als zurück nach Nazi-Deutschland. 

Am 13. Mai 1939 war es in Hamburg losgegangen.  Gustav Schröder, der Kapitän des Hapag-Passagierschiffes St. Louis, berichtete später in seinen Erinnerungen, er habe noch nie so ein trübe Stimmung beim Ablegen erlebt.

Flucht aus Deutschland am 13. Mai 1939

 

Das Schiff nahm Kurs auf Kuba. Doch schon vor der Abfahrt waren Gerüchte im Umlauf, dass Kuba die Einreise verweigern würde. Deutsche Emissäre hatten angeblich antisemitische Stimmungen in der Bevölkerung angeheizt.

Kapitän Gustav Schröder wurde zum deutschen Helden und guten Hirten der Flüchtlinge. Zuerst verklagte er die kubanische Regierung, dann versucht er eine heimliche Landung vor der Küste Miamis. Doch die US-Küstenwache vereitelte diesen Plan.

Nun war Kapitän Schröder mit über 900 Passagieren an Bord auf dem offenen Meer. Eine Rückkehr nach Deutschland war unmöglich. Die jüdischen Flüchtlinge hatten zum Teil bereits KZ hinter sich und drohten damit, die Nordsee zu ihrem Massengrab zu machen. Doch niemand wollte helfen und die Grenzen öffnen.

Der Kapitän erwies sich nun als Team-Player. Einerseits wählte er ein Bord- und Seelsorge-Komitee, das sich um die Passagiere kümmerte, andererseits feuerten er und weitere Passagiere Telegramme aus allen Rohren, um mit Hilfe der Öffentlichkeit, der Politik und Schiffseigner Hapag ein Asylland für die Flüchtlinge zu finden. Plan B war es, das Schiff vor England auf Grund laufen zu lassen, so dass die Flüchtlinge als Schiffbrüchige in England unterkommen könnten.

Unglück im Glück war es, dass sich statt dessen im letzten Moment Belgien, Holland, Frankreich und England erbarmten und jeweils ein Viertel der Passagiere aufnahmen. So hatten die Passagiere am 17. Juni 1939 in Antwerpen erst einmal wieder festen Boden unter den Füßen, doch drei Viertel von Ihnen waren mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder ihren deutschen Verfolgern ausgeliefert. Einige konnten sich verstecken und flüchten, viele wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. 

Sara Cohn hatte das Glück, nach England geschickt zu werden. Danach emigrierte sie in die USA. Dort verlieren sich ihre Spuren.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Immer wieder geraten Menschen in die Knochenmühle der Politik und müssen flüchten und niemand will sie haben.