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Auf der Flucht: von Königswalde nach Miami - Sara Cohn zum 150. Geburtstag

Vor 150 Jahren, am 25. Februar 1866, wurde Sara Cohn in Königswalde geboren. 1939, im Alter von 73 Jahren, wurde sie mit 900 anderen jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland plötzlich zum Spielball der Weltpolitik. Ihr Flüchtlingsschiff war im Sommer 1939 mitten auf dem Atlantik heimatlos geworden. Kein Land wollte die Flüchtlinge aufnehmen und die Passagiere wollten lieber in der Nordsee ertrinken als zurück nach Nazi-Deutschland. 

Am 13. Mai 1939 war es in Hamburg losgegangen.  Gustav Schröder, der Kapitän des Hapag-Passagierschiffes St. Louis, berichtete später in seinen Erinnerungen, er habe noch nie so ein trübe Stimmung beim Ablegen erlebt.

Flucht aus Deutschland am 13. Mai 1939

 

Das Schiff nahm Kurs auf Kuba. Doch schon vor der Abfahrt waren Gerüchte im Umlauf, dass Kuba die Einreise verweigern würde. Deutsche Emissäre hatten angeblich antisemitische Stimmungen in der Bevölkerung angeheizt.

Kapitän Gustav Schröder wurde zum deutschen Helden und guten Hirten der Flüchtlinge. Zuerst verklagte er die kubanische Regierung, dann versucht er eine heimliche Landung vor der Küste Miamis. Doch die US-Küstenwache vereitelte diesen Plan.

Nun war Kapitän Schröder mit über 900 Passagieren an Bord auf dem offenen Meer. Eine Rückkehr nach Deutschland war unmöglich. Die jüdischen Flüchtlinge hatten zum Teil bereits KZ hinter sich und drohten damit, die Nordsee zu ihrem Massengrab zu machen. Doch niemand wollte helfen und die Grenzen öffnen.

Der Kapitän erwies sich nun als Team-Player. Einerseits wählte er ein Bord- und Seelsorge-Komitee, das sich um die Passagiere kümmerte, andererseits feuerten er und weitere Passagiere Telegramme aus allen Rohren, um mit Hilfe der Öffentlichkeit, der Politik und Schiffseigner Hapag ein Asylland für die Flüchtlinge zu finden. Plan B war es, das Schiff vor England auf Grund laufen zu lassen, so dass die Flüchtlinge als Schiffbrüchige in England unterkommen könnten.

Unglück im Glück war es, dass sich statt dessen im letzten Moment Belgien, Holland, Frankreich und England erbarmten und jeweils ein Viertel der Passagiere aufnahmen. So hatten die Passagiere am 17. Juni 1939 in Antwerpen erst einmal wieder festen Boden unter den Füßen, doch drei Viertel von Ihnen waren mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder ihren deutschen Verfolgern ausgeliefert. Einige konnten sich verstecken und flüchten, viele wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. 

Sara Cohn hatte das Glück, nach England geschickt zu werden. Danach emigrierte sie in die USA. Dort verlieren sich ihre Spuren.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Immer wieder geraten Menschen in die Knochenmühle der Politik und müssen flüchten und niemand will sie haben.



Von Florida nach Auschwitz - oder: Heimatlos auf hoher See (Gustav Schröder 1949, Kapitel 7 - Ende)

Sorgenvolle Tage

Inmitten all der Hoffnungslosigkeit erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Bord-Komitee als äußerst wertvoll. Durch den Hinzutritt der Herren S. Gutmann und Dr. Ernst Vendig hatte es neuen Auftrieb erhalten. Ich glaube kaum, dass ich dem damaligen Nervenkrieg an Bord ohne unsere täglichen Besprechungen gewachsen geblieben wäre. Wir schickten jeden Tag mehrere Telegramme nach Hamburg, um der Direktion die Krisenstimmung auf dem Schiff klarzulegen und um endlich aus unserer Irrfahrt herauszukommen. Der Wortlaut wurde in deutscher Sprache aufgesetzt. Nachts übersetzte ich ihn ins Englische, da unser Privatcode in dieser Sprache verfasst war, und dann kam noch das Chiffrieren. So verstrichen die düsteren Nächte, in denen ich doch nicht hätte schlafen können.

Außer dem Bord-Komitee gab es noch ein von Herrn Gustav Weil gebildetes Seelsorgekomitee, das die Aufgabe hatte, bei den zahlreichen Nervenzusammenbrüchen Beistand zu leisten. Die Ärzte hatten genügend andere Patienten. Sie brachten die ganz verzweifelten Gemüter zu mir, und wenn kein Trostzuspruch mehr half, musste eben zu einer Notlüge gegriffen und eine Landung in England versprochen werden. Herr Weil und ich sind bei dieser Zusammenarbeit Freunde geworden. Ich entsinne mich auch, dass in diesen Tagen Herr Leo Haas und seine Gattin bei mir waren. Die Worte der feinen Frau klingen mir noch in den Ohren: “Herr Kapitän, Sie wissen doch, wir können gar nicht zurückkehren. Alles haben wir dort verloren und das KZ wird unser Ende sein, das KZ oder … die Nordsee. Wenn Sie mit dem Schiff heil bis Cuxhaven hineinkommen, dürften Sie wohl etwa hundert Kabinen leer vorfinden, denn wir fürchten das KZ mehr als den Tod.” Ähnliches sagten mir auch andere.

Es waren auch einige Männer bei mir, die im KZ gesessen hatten. Als ich sie bat, ihre Erlebnisse zu schildern, schauten sie sich um, als ob sie Horcher fürchteten, worauf ich einwarf, ob es denn verboten sei, darüber zu sprechen. Sie sahen mich verlegen an und schwiegen. Dann sagte aber einer von ihnen: “Lieber Kapitän, ich wage tatsächlich nicht darüber zu sprechen, denn wer weiß, was uns noch bevorsteht. Aber Sie können mir glauben, lieber tot, als das noch einmal. In ihren Augen war eine furchtbare Angst vor der Rückkehr dorthin zu lesen, aber nicht minder eine feste Entschlossenheit, alles für die Rettung einzusetzen. Wer einmal mit Verständnis in solch verzweifelte Augen geblickt hat, vergisst es nicht.

Nun wunderte es mich auch gar nicht, als mir ein besorgtes Ehepaar, das mit seinen Kindern an Bord war, ein unten im Schiff tagendes Sabotage-Komitee verriet. Sie hatten es belauscht, als ein Plan besprochen wurde, in der Nordsee eine Katastrophe herbeizuführen. Man neige dazu, das Schiff in Brand zu stecken, aber es ständen noch andere früher durchzuführende Unternehmungen zur Diskussion, z.B. eine Meuterei. Im Augenblick konnte ich nichts weiter tun, als ihnen den Rat zu geben, ein Anti-Sabotage-Komitee zu gründen, um die Brandstifter zu kontrollieren, mit denen ich gerne selbst ein ernstes Wort gesprochen hätte, aber sie witterten den Verrat und gaben sich keine Blöße mehr. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Brücke in Verteidigungszustand zu setzen und überall im Schiff scharfe Kontrolle auszuüben.

 

Die Krisis

An dem Morgen des Tages, an dem mittags der bewusste Punkt erreicht werden sollte, erwachte ich bei Sonnenaufgang in meinem Ledersessel sitzend. Ich musste gegen vier Uhr nach Erledigung der Telegramme fest eingeschlafen sein. Leider war es nicht ein Traum, dass ich mit neunhundert verzweifelten Passagieren, die kein Land auf der ganzen Welt aufnehmen wollte, mitten auf dem Atlantik herumfuhr. Und ich empfand ein Unbehagen, als mir klar wurde, dass ich die Disziplin nicht mehr mit der Hoffnung auf eine Landung im Westen aufrecht erhalten konnte. Ich hatte jetzt die traurige Pflicht, meinen Passagieren reinen Wein einzuschenken über die Aussichtslosigkeit einer Landung in Amerika, die durch während der letzten Nacht eingelaufene Telegramme endgültig feststand. Auch im Osten blieb die Aufnahmebereitschaft aus. Von New York kam folgende Nachricht: “Wir bedauern...Betrachten aber die Antwort des Joint Committee als zutreffend.”

Die Antwort lautete: “Wir tun alles Menschenmögliche, um euch zu helfen. Wir bitten Euch, den Mut aufrecht zu erhalten und versichert zu sein, dass alle unsere Organisationen hier und im Auslande Tag und Nacht jede Minute für euch arbeiten.”

Ich wusste, dass niemand mehr Notiz von diesen Telegrammen nehmen, sondern ebenso wie ich nur die endgültige Absage Amerikas darin erkennen werde, und dass heute ein kritischer Tag erster Ordnung bevorstand. Nach einem kurzen Besuch auf der Kommandobrücke, um den Kurs auf den Englischen Kanal einsteuern zu lassen, ging ich durchs Schiff. Überall roch es nach Verzweiflung und Panik, überall trafen mich fragende Blicke. Vor dem Speisesaal begegnete ich zwei Herren vom Komitee, Dr. Joseph und Dr. Zellner, die auch keine Ruhe mehr fanden. Ich übergab ihnen die Telegramme mit den Worten: “Vom Westen nichts mehr zu hoffen. Ich bitte das Komitee um zehn Uhr zu mir.” Dr. Joseph antwortete mit: “Wie sag ichs meinem Kinde?” und Dr. Zellner setzte hinzu: “Kapitän, ich bin kein Feigling, aber vor der Fahrt durch die Nordsee habe ich direkt Angst!”. Ganz leise sagte ich ihm ins Ohr: “Ich auch!” Aber im Weitergehen kam mir mit solcher Plötzlichkeit ein rettender Gedanke, dass ich unwillkürlich stehen blieb. Ein Plan fiel mir ein, der gleich ausgearbeitet werden musste.

Der Erste Offizier schlief noch. Er hatte am Abend zuvor lange Dienst gehabt. Also ging ich zum leitenden Ingenieur, einem Frühaufsteher, der gerade beim Morgenkaffee saß. Ich kam bei ihm an die richtige Adresse. Auf meinen Wunsch hin gab er gleich durch das Telefon seinem Wachhabenden die Order, auf volle Umdrehungen zu gehen, woran noch einige fehlten. Dann nahm ich den Hörer, um den Wachhabenden auf der Brücke von den erhöhten Umdrehungen zu benachrichtigen. Daraufhin konnten wir in aller Ruhe meinen Plan besprechen.

Wenn uns keine Landung außerhalb Deutschland erlaubt werden würde, wollten wir -  um die in der Nordsee zu erwartende Katastrophe zu verhindern - das Schiff an der Südküste von England bei Nacht oder Nebel und bei Ebbe ganz sanft auf den sandigen Strand setzen, eine Motorhavarie vortäuschen, einen großen Schiffsbrand markieren udn alle Passagiere mit den Booten landen. Das Feuer würden wir dann “heldenmütig” selbst löschen. Nach Abstransport der Schiffbrüchigen könnten wir später mit Schlepperhilfe wieder freikommen, bei Flut nämlich. Der Motorschaden könnte durch Selbsthilfe behoben werden. Pro forma müssten wir eben mit einem Motor fahren und nach der Entlassung durch die Schlepper würde - auf der Fahrt zum “Nothafen” - telegraphische Verabschiedung erfolgen. Einen Platz für das Manöver hatte ich mir schon ausgesucht. Es gab deren mehrere zwischen Plymouth und Dover.

Der Leitende Ingenieur gab mir noch manchen guten Rat bei der Ausarbeitung des Plans. Er hat darüber verabredungsgemäß anderen Menschen gegenüber nie ein Wort verloren, auch später nicht, als unser Täuschungsmanöver durch die Landung in Antwerpen überflüssig wurde. Doch auch wenn der Rettungspan nicht ausgeführt zu werden brauchte, mir gab er an diesem kritischen Tage die Besinnung, in Ruhe fertig zu werden mit dem, was folgte. Die zunehmende Nervosität auf dem Schiff trieb das Komitee schon vor zehn Uhr zu mir. Es musste inzwischen etwas von dem Abbruch der Beziehungen zur “Neuen Welt” durchgesickert sein. Während wir berieten, was zu tun sei, um die Passagiere zu beruhigen, erschien der Erste Offizier mit der Nachricht, dass im ganzen Schiff helle Aufregung herrsche, und dass man sich zusammentäte, um etwas zu unternehmen. Gleich darauf brachte ein Feuerwehrmann die Meldung, man sei schon unterwegs nach oben. “Das Sabotage-Komitee!” musste ich denken. Diesen verzweifelten jungen Männern war in der Erregung einiges zuzutrauen. Sie durften auf keinen Fall jetzt bis zu der im Verteidigungszustand befindlichen Brücke vordringen.

Was ich jetzt tat, tat ich instinktiv. Den Ersten Offizier bat ich beim Komitee zu bleiben und eilte dann zur Haupttreppe hinab. Die erregten Menschen kamen mir schon lärmend entgegen. Mit dem Ruf: “Halt, wohin wollen Sie?” stellt ich mich vor die Treppe, und tatsächlich, sie stutzten. Weiter vermochte ich aber mit meiner Stimme nicht durchzudringen. Ich wurde umringt. Alles schrie durcheinander. Es fielen Worte wie: “Wir wollen nicht zurück nach Europa!” “Wir zwingen ihn umzukehren!” “Wir stiften Brand!” Da kam mir einer der Männer aus der Menge zu Hilfe, indem er laut brüllte: “Ruhe, der Kapitän will reden!” Das wirkte. In das erwartungsvolle Schweigen hinein konnte ich jetzt mit gutem Gewissen versprechen, dass eine Landung in England schon irgendwie gemanaged werde, nur bat ich dringend, keinesfalls etwas Unüberlegtes zu unternehmen, um sich diese Chance nicht zu verderben. Die Angelegenheit musste aber noch zu einem erfolgreichen Abschluss kommen; so setzte ich sofort eine Vollversammlung in der großen Halle an und bat um Bekanntgabe der Zusammenkunft bei allen Passagieren. Diszipliniert richteten sich die eben noch so erregten Männer nach meiner Anweisung, und die Halle füllte sich.

Das Komitee atmete erleichtert auf, als ich zurückkam und über die glückliche Wendung berichtete. Einer der Herren sollte nun vor der Vollfversammlung eine wirksame Ansprache halten. Bisher hatte sich das Komitee - wohl auch mit Recht - von Vollversammlungen nichts versprochen. Zu diesem kritischen Zeitpunkt aber wurden sie notwendig.

Auf dem Weg zur Halle wechselten wir einige vertrauliche Worte und gleich darauf standen wir vor neunhundert im wahrsten Sinne des Wortes Heimatlosen. Dabei ergriff mich selbst ein Gefühl der Heimatlosigkeit. Mir war, als ob die ganze “St. Louis” von der Welt ausgestoßen sei und jetzt versuchen müsste, diesen ungastlichen Planeten zu verlassen; denn auf eine Anerkennung ihrer prosemitischen Haltung konnte die Besatzung des Schiffes bei der Regierung nicht rechnen. Aber gerade dieses Gefühl gab mir das volle Verständnis für die trostlose Lage meiner Passagiere und ließ mich die richtigen einleitenden Worte finden. Ich bat dann den Präsidenten des Komitees, Dr. Joseph, das Wort zu ergreifen, und er erfüllte seine Aufgabe wie eine Mission.

Noch heute bedauere ich, den Text dieser Stegreifrede nicht aufgeschrieben zu haben. Sie war inhaltlich und formell ein Meisterwerk. Dr. Joseph, pflanzte in alle Herzen Vertrauen und rief zu einer würdevollen Haltung auf: “Komme auch, was da kommen mag. Die ganze Welt schaut auf uns!” rief er. Und aus dem Verhalten der schwergeprüften Menschen konnte man in den nächsten Tagen schließen,  wie seine Worte gewirkt hatten.

 

Westeuropa erbarmt sich

Natürlich berichtete ich in einem verschlüsselten Telegramm den Vorfall nach Hamburg. Dort setzte sich jetzt gleichfalls die Überzeugung durch, dass eine Fahrt durch die Nordsee unverantworlich wäre, und dass nur eine Landung in Westeuropa die Emigranten noch retten könne. Die Hamburg-Amerika Linie leitete entsprechende Verhandlungen ein. Drei Tage später führten sie zu dem Angebot, eine Landung in Antwerpen vorzunehmen zwecks Verteilung der Emigranten auf England, Frankreich, Holland und Belgien. Die Hapag sandte uns ein sehr geschickt abgefasstes Telegramm, das schon auf die beabsichtigte Lösung hindeutete und den Fahrgästen nahelegte, Ruhe und Ordnung zu bewahren, damit die Landunsgmöglichkeiten nicht beinträchtigt würden.

Die gefasste Stimmen der Emigranten blieb durch Vollversammlungen aufrechterhalten.  Jeden Morgen trafen wir uns in der großen Halle. Nach drei Tagen gingen die endgültigen und positiven Nachrichten über das Anlaufen von Antwerpen ein. Wenn auch manche Passagiere durch die vielen Enttäuschungen misstrauisch geworden waren, so machte sich doch bald Entspannung und Zufriedenheit bemerkbar. Man sah wieder zuversichtliche Menschen und hörte Musik, die wochenlang unerwünscht war.

Die Landung in Antwerpen musste schnell vonstatten gehen, da die “St. Louis” jetzt doch noch in den Vergnügungsreisen-Fahrplan von New York einspringen sollte, von dem sie schon entbunden war. Mit vollen Umdrehungen und Windstärke 7 bis 8 von Achtern brausten wir ostwärts. In einem Telegramm nach Vlissingen verpflichtete ich mich, in zwei Tagen präzise um 9 Uhr dort zu sein.

Leider sollte aber auch dieser Endspurt nicht ohne tragischen Zwischenfall verlaufen. Mein bester Steurer, Kritsch mit Namen, wurde vermisst. Man hatte ihn zuletzt bei der Flaggleine auf dem Achterdeck gesehen. Nach gründlicher Durchsuchung des Schiffes fanden wir ihn schließlich in einem kleinen Abstellraum im Vorschiff, wo er seinem Leben selbst ein Ende gemacht hatte. Gott mag wissen, warum. Sein Tod bedeutete für die Hamburg-Amerika Linie und für mich einen unersetzlichen Verlust, denn einen zuverlässigeren Mensch gab es kaum. Der Gedanke an die grausame Endgültigkeit des Todes bedrückte mich zum dritten Mal auf dieser Reise.

Die einzigen, die in all den schweren Tagen unbekümmert blieben, waren die Kinder der Passagiere. Ja, sie freuten sich, länger an Bord bleiben zu können und nahmen ihr Schicksal höchstens spielerisch wichtig, indem sie ein Spiel mit dem Namen erfanden: “Juden haben keinen Zutritt.” An einer aus Stühlen hergestellten Barriere standen zwei Jungs mit strenger Amtsmiene und verhörten die Einlass begehrenden Kameraden. Ein kleiner Berliner, der an der Reihe war, wurde barsch gefragt: “Bist du ein Jude?” Als er dies kleinlaut bejahte, wiesen sie ihn streng zurück: “Juden haben keinen Zutritt!” - “Ach”, bat der Berliner Junge, “ lassen se mir man durch, ick bin doch  blos´n janz kleener.”

 

Emigrantenschicksal

Pünktlich trafen wir in Antwerpen ein dank dank des günstigen Wetters, dank des zuverlässigen technischen Betriebes des Schiffes und dank der vernünftigen Haltung der Besatzung, die eine Aufgabe gemeistert hatte, welche nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch viel Takt und Geduld erforderte. Häufig wurde die Besatzung durch das Bord- und Seelsorger-Komitee entlastet. Diese Tatsache verdient besondere Erwähnung. Alle Hilfeleistungen hätten aber kaum etwas genutzt, wenn die Fahrgäste selbst nicht so zugänglich gewesen wären. Ihr dankbares Abschiednehmen vor der Landung in Antwerpen war rührend und bewegte mich tief und unvergesslich. Umso stärker empfinde ich deshalb auch die Trauer darüber, dass viele der Armen, die sich in Frankreich, Holland und Belgien in Sicherheit glaubten, später durch den wahnsinnigen Krieg doch noch in die Hände von Verbrechern fielen und umkamen. Der Gedanke, dass es Menschen gegeben hat, die erst im K.Z. waren, dann die Passionsfahrt der “St. Louis” mitmachten, um schließlich im K.Z. elendig zu verenden, ist mehr als bedrückend. Nur von wenigen der auf dem Festland untergebrachten Emigranten der “St. Louis” weiß ich, dass sie noch am Leben sind. Hierzu gehören: Dr. Ernst Vendig und Familie, Arthur Maschkowsky, Adolf Wolff und Familie, Leo Hass und Frau.

Mit folgenden Herren der England-Gruppe, die vollzählig gerettet worden ist, stehe ich noch in Verbindung: Gustav Weil, Dr. F. Kassel, Dr. F. Zellner.

 

Von den Flüchtlingserlebnissen der Familie Wolff und Vendig will ich noch berichten. Adolf Wolff war mit Frau und Tochter in Nordfrankreich und flüchtete beim deutschen Einmarsch unter schwierigsten Umständen unter großem Gedränge nach Marseille, wo es ihnen gelang, einer Internierung zu entgehen; aber 1942, als alle Juden gesucht wurden, blieb nichts anderes übrig als eine Flucht in die Schweiz. Dass dieses abenteuerliche Unternehmen glückte, kommt ihnen selbst noch immer unglaublich vor. Erst 1947 konnten sie nach Nordamerika fahren.

Dr. Ernst Vendig war mit seiner Frau und zwei Kindern und seiner siebzigjährigen Mutter in Brüssel, als der deutsche Einmarsch erfolgte. Er wurde interniert und kam, nachdem er zwölf verschiedene Lager kennengelernt hatte, zuletzt in die Gegend von Aix-en-Provence. Der erste Versuch seiner Familie, in seine Nähe zu kommen, blieb im Bombardement bei Dünkirchen stecken. Aber später gelang es trotz aller Schwierigkeiten. 1942 brachte auch hier den Beginn der Deportation aller Juden nach Polen. Die ganze Familie kam in ein Sammellager, wo sie sechs Wochen lang die Schrecken aller Abtransporte miterlebte. Einer an Wunder grenzenden Fügung verdanken sie es, dass sie verschont wurden und schließlich befreit wurden, so dass auch sie in die Schweiz flüchten konnten, wo sie nach langen Fußmärschen durch das Gebirge bei Verwandten Aufnahme fanden. Seit Mai 1946 sind sie in Nordamerika und haben sich dort, ebenso wie Familie Wolff, eine neue Existenz aufgebaut.

Von verschiedenen, besonders von Arthur Maschkowsky und Leo Haas, bin ich gefragt worden, wie das ganze überhaupt möglich war, und wer das Landungsverbot in Havanna erließ. Ich habe es nicht erfahren können und längst aufgegeben, es klarzustellen. Es liegt mir nicht, Schuldfragen zu klären, vielleicht leben die Menschen, die vom Schicksal ausersehen waren, eine entscheidende Rolle zu spielen, schon nicht mehr.

Ich muss da an einen alten Lehrer denken, der uns Schülern immer wieder Toleranz predigte. Er sagte nie ein böses Wort über einen Mitmenschen, nicht einmal über seine Widersacher. “Tragt euch gegenseitig nichts nach”, sagte er, “ein wirklich gebildeter Mensch tut das nicht. Wer etwas ausfrisst, bestraft sich selbst viel mehr, als andere es tun können.” In diesem Sinne lasse ich die Schuldfrage in Ehrfurcht auf sich beruhen. Wieviel schöner ist es da, von der Dankbarkeit zu reden, Dankbarkeit für alles Gute, das wir von anderen erfahren. So habe ich unzähligen Menschen zu danken, die mir halfen, unseren Passagieren auf der “St. Louis” das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Niemals aber möge die Mahnung vergessen werden, die das tragische Schicksal der schwergeprüften Passagiere des “Emigrantenschiffes” für die gesamte Menschheit bedeutet, damit sich Grausamkeit und Unmenschlichkeit, wo es auch immer sei, nie wieder breit machen können.

 

Dokumentenanhang

Hamburg-Amerika Linie

Die Cubanische Regierung zwingt uns den Hafen zu verlassen. Sie hat uns erlaubt, noch bis Morgen bei Tage hierzubleiben und es wird die Abfahrt hiermit auf 10 Uhr Freitag festgesetzt. Mit der Abfahrt sind die Verhandlungen keineswegs abgebrochen. Erst der durch Abfahrt des Schiffes herbeigeführte Zustand ist Vorbedingung für das Eingreifen der Mitarbeiter des Herrn Berenson und seiner Mitarbeiter.
Die Schiffsleitung bleibt in weiterer Verbindung mit sämtlichen jüdischen Organisationen und allen anderen amtlichen Stellen und wird mit allen Mitteln zu erreichen suchen, dass eine Landung außerhalb Deutschlands stattfindet und wir werden vorläufig in der Nähe der amerikanischen Küste bleiben. Kapitän, gez. Schröder

havanna still hopeful we expect definitive arrangements today - hapag new york 3639. Übersetzung: Havanna ist noch hoffnungsvoll. Wir erwarten heute endgültige Regelung.

die verhandlungen schreiten weiter fort - bitte telegraphieren sie den letzten möglichen augenblick an dem ihr proviant es ihnen erlaubt nach havanna oder st domingo zurückzukehren - hapag new york 7639

gemäß kabel aus new york wird jede mögliche bemühung durch warburg und zentral-komitee angestrengt um rückkehr nach europa zu vermeiden - hapag hamburg 8639

eure situation uns bekannt - versuchen alles unter mitwirkung einschlägiger ausländischer organisationen eine lösung zu finden - nachricht über ergebnis folgt - hilfsverein berlin 8639

herzliche grüsse - wir sind noch schwer an der arbeit - haltet eure hoffnungen aufrecht - joint havanna 8639

als europäischer vorsitzender des amerikanischen joint distribution committee möchte ich euch jede erdenkliche möglichkeit zusichern unterwegs einen hafen zu finden für die st louis passagiere der schon mit aussichten auf erfolg gefunden ist - wir hoffen in den nächsten 36 stunden definitives darüber zu erhalten - sagt den passagieren sie sollen hoffnung haben - morris o troper paris - 12 6 39

habe mit massgebenden leuten gesprochen - sie können vollkommen beruhigt sein dass alles denkbare versucht wird - max warburg new york 12 6 39

als ausschiffungshafen für alle passagiere ist definitiv antwerpen erklärt von wo aus dieselben nach den niederlanden belgien frankreich und england verteilt werden - hapag hamburg 18 6 39

Hamburg-Amerika Linie Vorstand

16. Juni 1939

Sehr geehrter Herr Kapitän Schröder!

Es ist dem Vorstand der Hamburg-Amerika Linie ein Bedürfnis, Ihnen bei Ankunft in Antwerpen mit diesen Zeilen unseren Dank auszusprechen, dass sie die “St. Louis” wohlbehalten zurückgebracht haben.

Die Aufgabe, die Ihnen und Ihrer Besatzung gestellt wurde, war nicht einfach. Der uns vorliegende Bericht des Zahlmeisters gibt ein anschauliches Bild Ihrer Ausreise und hat unseren vollen Beifall gefunden. Die Unmöglichkeit, die Passagiere in Cuba zu landen, stellte sie vor neue Aufgaben und aus Ihren Telegrammen haben wir mit Sorge Ihre Heimkehr nach Europa verfolgt. Wir beglückwünschen Sie, dass Sie es verstanden haben, das Schiff, Ihre Besatzung und Ihre Passagiere über die kritischen Tage hinwegzubringen und hoffen, dass Sie auf der Überfahrt nach New York neue Kräfte finden, die Vergnügungsreisen ab New York mit Erfolg durchzuführen.

Mit der Bitte unseren Dank und unsere Anerkennung auch Ihrer Mannschaft zum Ausdruck zu bringen, verbleiben wir

Hamburg- Amerika Linie

gez. Hoffmann - Holthusen



 

Dr. Ernst Vendig

69, rue des Aduatiques

Bruxelles

 

10. Juli 1939

 

Sehr geehrter Herr Kapitän!

Die überstürzt schnelle Ausbootung der Passagiere für Belgien am 17. Juni nahm mir leider die Möglichkeit, meine Absicht, mich bei Ihnen persönlich zu verabschieden, auszuführen. Ich konnte damals nur Herrn Dr. Joseph bitten, Ihnen, Herr Kapitän, meine besten Grüße und meinen Dank für all Ihr Bemühen um unser Schicksal auszusprechen, und Ihnen zugleich im Namen des Bord-Komitees und damit in dem meinen ein Erinnerungsbild an die denkwürdige Ausfahrt aus Habanna überreichen zu wollen.

Nachdem nun die Tage der äußeren und inneren Unruhe etwas gewichen sind und wir alle - die 200 Angehörigen der Belgischen St.-Louis-Gruppe - durch die dankenswerte und verständnisvolle Einstellung unserer neuen Heimat zu uns wieder einigermaßen festen Boden - im realen wie im symbolischen Sinne - unter den Füßen zu haben, ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen einige Zeilen zu schreiben, von denen ich hoffe, dass sie Sie ehestens bei einem Zwischenaufenthalt in New York erreichen werden.

Vor allem möchte ich Ihnen meinen besten Dank für die schriftliche Anerkennung aussprechen, die Sie mir wie allen Herren des Bordkomitees für unsere selbstverständliche Betätigung im Interesse aller noch auf dem Schiff haben übermitteln lassen. Dieses Schreiben wird mir immer eine wertvolle Erinnerung bleiben an diese Tage, die bei aller Schwere doch dadurch leichter zu ertragen und zu überwinden waren, weil sie geeignet waren, den Glauben an die unzerstörbare Kraft der humanitären Idee, ein Glaube, der uns auf Grund der hinter uns liegenden Erfahrungen fast schon verloren gegangen war, wieder zurückzugeben.

In diesem Sinne bin ich Ihnen, sehr geehrter Herr Kapitän, zu ganz besonders tiefem Dank verbunden, denn Ihre Haltung - die die des ganzes Schiffes bestimmte - in diesen Tagen und Wochen gegenüber Menschen und gegenüber unserem besonderen Schicksal war für uns ein Kraftquell ganz seltener Art. Sie haben es verstanden, mit dem tiefen Verständnis für unsere Lage zugleich ein solches Feingefühl in der Behandlung aller uns berührenden Fragen zu verbinden, dass wir wussten, Sie hatten in diesen Tagen unsere Sache zu der Ihren gemacht.

Das Ihnen nochmals zum Ausdruck zu bringen, sollte der Sinn meines heutigen Schreibens sein, und ich hoffe gerne, dass Sie dieser Brief in alter Frische antrifft, die Sie wieder zurückgewonnen haben, nachdem die Arbeit und Sorgen um uns und mit uns Ihnen seit Antwerpen genommen waren.

Ich darf mich Ihnen besten empfehlen und begrüße Sie mit aller Hochachtung

ergebenst Ernst Vendig  

Von Florida nach Auschwitz - oder: Heimatlos auf hoher See (Gustav Schröder 1949, Kapitel 5-6)

Wohin?

Und dann gingen wir in See. Zahlreiche Barkassen gaben uns das Geleit unter den ständigen Zurufen der Verwandten: “Verliert nicht den Mut!” - Aber viele verloren ihn doch. Ich selbst war auch deprimiert. Eine so melancholische Abfahrtstimmung hatte ich noch nie erlebt. Besonders unruhig waren die Frauen, weil eine Zielangabe fehlte. “Kapitän, wohin fahren Sie uns?” Und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich diese Frage nicht beantworten. Aber in enger Zusammenarbeit mit dem Bord-Komitee unterließ ich nichts, um den unglücklichen Menschen eine Heimat zu verschaffen, hatte ich doch von der Hamburg-Amerika Linie den Auftrag, für die Fahrgäste alles zu tun, was in meiner Macht lag.

Ich kam sogar auf den Gedanken, eine illegale Landung an der Floridaküste zu versuchen. Klar zum Aussteigen waren die Passagiere jederzeit, dafür hatte ich durch entsprechende Rücksprache mit dem Bord-Komitee gesorgt. Und so ging es eines schönen Morgens in einen der kleinen Häfen hinein, um vorzufühlen, ob man schon mit einer solchen Möglichkeit rechnete und Gegenmaßnahmen traf. Aber wahrscheinlich war bereits einmal von einem anderen kleinen Emigrantenschiff etwas Derartiges unternommen worden, denn schon beim Einlaufen bemerkte ich, dass wir beobachtet wurden. Als der Ankerplatz erreicht war, kamen Küstenwachboote und Flugzeuge heran, um die Landung zu verhindern. Also manövrierte ich das Schiff aus dem Hafen heraus und fuhr weiter, ganz dicht unter Land, wieder südwestwärts in Richtung Havanna zur Beruhigung der Passagiere und auch, um sie etwas abzulenken.

Mittags, während im Speisesaal gegessen wurde, drehte ich von der Küste ab, bis das Land außer Sicht war und änderte den Kurs langsam auf Nordnordost, als die Sonne im Zenit stand; so konnte niemand etwas davon merken, dass wir uns wieder von Havanna entfernten, von wo uns noch immer Hoffnung auf eine Landung gemacht wurde. Aber ich selbst glaubte nicht mehr daran und versuchte uns unauffällig immer etwas weiter nach Norden zu mogeln, da sich in New York eine Chance aufzutun schien. Am Spätnachmittag allerdings , als die sinkende Sonne keinen Zweifel mehr ließ über unseren nördlichen Kurs, beunruhigten sich die Gemüter von neuem.

In diesen Tagen der Ungewissheit habe ich unter anderem ein von Herrn Manasse verfasstes Telegramm an die USA-Presse gestattet, das die Stimmung an Bord ungeschminkt zum Ausdruck brachte. Der Widerhall war eine Flut von Funksprüchen aus Havanna, New York, Hamburg und Gott weiß woher, die teils zum Warten, teils zum Umkehren aufforderten. Andere sprachen Mut zu und deuteten an, dass unentwegt an einer Lösung gearbeitet werde. Wir an Bord konnten lediglich ergebungsvoll unsere Köpfe schütteln und uns fragen, was wohl daran so viel zu arbeiten sei. Das ganze Problem konnte doch mit einem Federstrich gelöst werden. Eines der Telegramme verkündete eine behördlich genehmigte Landung auf der kubanischen Insel Pinosa. Die Unterschrift lautete: “Centro Israelita”. Wir stoppten und forderten offizielle Bestätigung. Zögernd kam die Nachricht, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Es wurde nichts daraus. - Ein langes Telegramm von dem Kanzler einer großen Loge forderte mich auf, nach New York zu kommen und auf der Reede zu ankern. Er werde mit einer Gruppe einflussreicher Amerikaner jede Summe, die nötig sei, bereithalten. Ein Appell an den amerikanischen Kongress sei beabsichtigt, um ein “zeitliches Asyl” für die “St. Louis”-Passagiere zu erbitten. Ich antwortete, er möge die benötigte Summe bei Hapag in New York deponieren. Auch hieraus wurde nichts.

Zurück?

Als die Aussichtslosigkeit einer Landung in Amerika immer klarer zu tage trat, blieb uns nichts anderes übrig, als eine beschleunigte Rückreise anzutreten. Die Bestände an Öl, Wasser und Proviant erlaubten uns kein weiteres Spazierenfahren. Bald kam auch von Hamburg aus die entsprechende Order. Bestimmungsort: Cuxhaven, was ich aber geheim hielt, da ich fest entschlossen war, dorthin nicht zurückzukehren. Eine Fahrt durch die Nordsee erschien mir im Hinblick auf die zur Verzweiflung neigende seelische Verfassung meiner Passagiere sehr gefährlich, wenn nicht undurchführbar. Mit Hilfe des Golfstromes und der dunklen Nächte hatte ich das Schiff schon bis zum Ausgang der Florida-Straße manövriert und beschloss nun zunächst, bis zu einem Punkt zu fahren, der gleich weit entfernt liegt von New York, Havanna und Haiti, um im Falle eines noch eintreffenden günstigen Bescheides nach einem dieser Orte möglichst schnell zurückkehren zu können. Der Punkt liegt in der Gegend von Bermuda. Gleichzeitig konzentrierte ich mein ganzes Denken auf eine Landung in England. ich entsinne mich auch, dass ich in jenen Tagen mit Bankier Warburg, New York, einen Telegrammwechsel hatte, ohne etwas Positives erfahren zu können.

Am 7. Juni lief folgendes Telegramm ein:

“Da die Landung in Kuba noch nicht entschieden ist, bemühen wir uns wieder um St. Domingo, wo Landung möglich, wenn das Geld zur Verfügung steht, das zur Einwanderung nötig ist.”

Auch dieser Plan schlug fehl, und allmählich wusste man nicht mehr, ob überhaupt noch eine Nachricht ernst zu nehmen sei.

 

Von Florida nach Auschwitz - oder: Heimatlos auf hoher See (Gustav Schröder 1949, Kapitel 3-4)

Die St. Louis auf dem Atlantik mit über 900 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland, die niemand aufnehmen will.

Die St. Louis auf dem Atlantik mit über 900 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland, die niemand aufnehmen will.

Das Landungsverbot
Als wir das Schiff verabredungsgemäß vor vier Uhr morgens an der Pier von Havanna festgemacht hatten und sofort mit der Ausschiffung begannen, um irgendwelchen Verboten zuvorzukommen, erschienen - wir trauten unseren Augen nicht - bewaffnete Männer in Uniform, zwangen die schon an Land befindlichen an Bord zurückzugehen und besetzten die Gangway. Es fehlte nicht viel daran, dass die Emigranten eine gewaltsame Landung unternommen hätten. Ihre Aufregung war sicher allzu begreiflich, denn hier handelte es sich ja schließlich um einen Staat, der sicher die deutsche Judengesetzgebung nicht billigte und der den Emigranten gegen Bezahlung einen vorübergehenden Aufenthalt in seiner Hauptstadt gestattet hatte. Nun wollte also dieser Staat nach Einstreichung der Gelder die Aufnahme der Einwanderer in dem Augenblick verweigern, in dem die Landung stattfinden sollte? - Was ich daraufhin alles unternahm an Schreibereien, Bittgängen und telegraphischen Hilferufen, weiß ich nicht mehr. Der Erfolgs war jedenfalls gleich null.
 
Kuba bleibt unerbittlich
Während der fünftägigen Liegezeit in Havanna durften keine Passagiere an Land. Und ihre zahlreich zur Begrüßung in der Hauptstadt eingetroffenen Verwandten durften nicht an Bord. Lediglich der Sohn des auf See verstorbenen Herrn Weiler erhielt durch meine Fürsprache und Garantie die Erlaubnis, seine Mutter zu besuchen. Aber nicht eine der vielen Bittschriften konnten die Regierung veranlassen, die Landung zu gestatten. Kein Komitee, kein einflussreicher Amerikaner, niemand vermochte sie umzustimmen. Kuba blieb unerbittlich. Den Grund habe ich nie erfahren. Ich nahm einen Rechtsbeistand und verklagte die Regierung. Dem Rechtsanwalt sagte ich: meiner Meinung nach wäre das Verhalten der Regierung vergleichbar dem eines Mannes, der einen Gast zum Essen einlädt und ihn bei seiner Ankunft erst auf dem Vorplatz warten und dann hinauswerfen lässt. Ich antichambrierte im Palast und im Regierungsgebäude, bat um eine Audienz, wurde jedoch nicht vorgelassen, ebensowenig wie Herr Clasing, der dortige Agent der Hamburg-Amerika Linie. Ein Vertreter des “Joint Committee” versicherte den Enttäuschten nunmehr, dass trotz dieser Schwierigkeiten alles Menschenmögliche getan werden würde, um ihre Rückkehr nach Deutschland zu verhindern. Dieser Ausspruch “Rückkehr nach Deutschland” hätte nicht fallen dürfen. Das war ein psychologischer Fehler! Ein Jurist, Dr. Max Loewe, schnitt sich die Pulsadern durch und ließ sich über Bord fallen, merkwürdigerweise an der gleichen Stelle, an der schon eine Bestattung und ein Selbstmord stattgefunden hatten. Aber zwei meiner wackeren Matrosen sprangen sofort nach und brachten den für seinen Tod kämpfenden so schnell wieder an Bord, dass Dr. Glauner ihn noch retten konnte. Sein Zustand und der Verdacht, er sei geisteskrank, erregten Mitleid. Man ließ ihn an Land und in ein Hospital überführen. Aber ich konnte nicht durchsetzen, dass Frau und Kinder Dr. Loewe begleiteten. Die kubanische Einwanderungsbehörde blieb hartherzig, was ich ihr sehr deutlich zu verstehen gab bei der Übergabe eines erneuten Gesuches mit dem Vorschlag, die Emigranten in einer kleinen Stadt oder auf einer kleinen Insel unterzubringen.
Als Antwort kam ein Ultimatum. Ich hätte den Hafen sofort zu verlassen, widrigenfalls man das Schiff mit Gewalt hinausbringen würde. Noch einmal fuhr ich an Land und setzte mit Hilfe des dort amtierenden deutschen Diplomaten eine Verschiebung der Abfahrt auf den nächsten Tag durch, um Wasser und Proviant übernehmen zu können. 
An Bord ließ ich folgende Bekanntmachung anschlagen:
“Die kubanische Regierung zwingt uns, den Hafen morgen zu verlassen. Mit der Abfahrt, die auf 10 Uhr festgesetzt ist, sind die Verhandlungen keinesweg abgebrochen; sie ist die Vorbedingung für das Eingreifen des Komitees. Die Schiffsleitung bleibt in Verbindung mit sämtlichen Organisationen und amtlichen Stellen und sucht mit allen Mitteln eine Landung zu erreichen. Wir werden in der Nähe der amerikanischen Küste bleiben.”
Ein weiterer Anschlag lautete:
“Die Schiffsleitung hat die nachstehend benannten Herren gebeten, die Interessen der Passagiere wahrzunehmen: Dr. Weiß, H. Manasse, Rechtsanwalt Dr. Joseph, Rechtsanwalt Dr. Zellner, Rechtsanwalt Dr. Hausdorff. Diese Herren werden durch die Schiffsleitung von allen Maßnahmen laufend unterrichtet. Die Passagiere werden gebeten, sich nur auf Mitteilungen zu verlassen, die von der Schiffsleitung durch das bestehende Komitee bekannt gegeben werden.”
Und an meine Ressortchefs erging folgendes Schreiben:
“Die ungeklärte Lage, in der sich unsere Passagiere befinden, bringt es mit sich, dass die Stimmung sehr gespannt ist. Es muss alles getan werden, sie zu beruhigen. Bisher ist es unserem Personal gelungen, die gute Form den Passagieren gegenüber zu wahren. Achten sie bitte ständig darauf, dass alle Besatzungsmitglieder den Passagieren in ruhiger höflicher Form begegnen. Auf Fragen nach dem nächsten Hafen ist stets mit einem Hinweis auf die ausgehängten Bekanntmachungen zu antworten. - Jedes Besatzungsmitglied muss über diese Instruktionen informiert werden.”
Alle drei ausgeführten Schriftstücke sind etwas gekürzt wiedergegeben.

Von Florida nach Auschwitz - oder: Heimatlos auf hoher See (Gustav Schröder 1949, Kapitel 1-2)

Worum es sich handelt
Die “St. Louis” der Hamburg-Amerika Linie sollte fahrplanmäßig im Juni 1939 von New York aus Vergnügungsreisen durchführen. Vorher jedoch, im Mai, wurde sie für die Beförderung von neunhundert Emigranten nach Havanna angesetzt. Diese Reise gestaltete sich infolge eines Landungsverbotes der kubanischem Regierung zu einem aufsehenerregenden Erlebnis für das ganze Schiff und wurde von der Weltpresse mit weit größerer Teilnahme verfolgt als frühere kleinere Unternehmungen dieser Art.
Das dramatische Schauspiel des Holländers Jan de Hartog “Schipper naast God”, das Rolf Italiaander unter dem Titel “Schiff ohne Hafen” ausgezeichnet übersetzt und für die deutsche Bühne bearbeitet hat, rief mir jene durch den großen Krieg schon in Vergessenheit geratenen Ereignisse wieder in die Erinnerung zurück. Ich weiß nicht, welche Begebenheit den Dichter zu diesem Drama angeregt hat, dessen Schauplatz ein kleiner holländischer Dampfer mit einhundertsechsundvierzig Emigranten ist. Der für diese Menschen verantwortliche Kapitän stellt nach mehreren gescheiterten Landungversuchen fest, dass kein Land seine unglücklichen Passagiere aufnehmen will und versenkt sein Schiff in der Nähe der nordamerikanischen Flotte, um die Kriegsschiffe zu zwingen, die Heimatlosen als Schiffbrüchige zu retten und an Land zu bringen. Das Schauspiel gibt die verzweiflungsvolle Stimmung der Emigranten, die Schwierigkeiten und Sorgen der Schiffsleitung, wie auch ich sie durchgekostet habe, ausgezeichnet wieder und wirkt trotz sparsamster Mittel hochdramatisch und erschütternd.
Ich will mit dem folgenden Tatsachenbericht keineswegs mit der künstlerischen Leistung des Dichters wetteifern, sondern es soll rein sachlich und chronologisch festgehalten werden, was ich als Kapitän der “St. Louis” mit den neunhundert Emigranten erlebte. Ich lege Wert darauf, dass bekannt wird, dass das holländische Schauspiel keine Darstellung der Reise der “St. Louis” ist, wie viele infolge von Zeitungsnotizen, die sich widersprachen, glauben. Die in diesem Drama auftretende Besatzung lässt sich zu tätlichen Übergriffen auf die Passagiere hinreißen, was auf der “St. Louis” nicht vorgekommen ist, so dass ihnen an Bord kein Haar gekrümmt wurde. Die Auslandspresse gab es zu.
Fahrt über den Ozean
Schon bei der Abfahrt der “St. Louis” von Hamburg sprach es sich herum, dass die Landung in Havanna vielleicht Schwierigkeiten machen würde, obgleich jeder Passagier eine von einer kubanischen Einwanderungsbehörde unterzeichnete Einreise-Erlaubnis besaß, für die er bezahlt hatte. Man munkelte von innenpolitischen Störungen und Veränderungen, durch die eine Landung verhindert werden könnte. Unter den Fahrgästen herrschte also von vornherein eine etwas nervöse Stimmung. Trotzdem waren anscheinend alle davon überzeugt, dass sie Deutschland nie wieder sehen würden. Rührende Abschiedsszenen spielten sich ab. Manchem sah man eine freudige Erleichterung an, andere verließen ihre alte Heimat schweren Herzens.
Schönes Wetter, reine Seeluft, gutes Essen, aufmerksame Bedienung erzeugten aber doch bald die auf langen Seereisen übliche sorglose Stimmung. Selbst kummervolle Eindrücke des Lebens an Land verblassen schnell auf See und werden zu Träumen. Ein gastliches Schiff mitten auf dem weiten Ozean und noch dazu in einer Gegend, in der ruhiges ausgeglichenes Wetter herrscht, ist eine andere Welt. So war es auch hier. Zuversicht und Hoffnung blühten und niemand regte sich auf.
Als wir uns dem Ziele näherten, warf die große Stadt, der wir zustrebten, schon einige Schatten zu uns herüber. In Telegrammen tauchten Andeutungen über Landungschwierigkeiten auf. Hinzu kam, dass ein alter Lehrer, Moritz Weiler mit Namen, erkrankte und apathisch wurde. Es brach ihm das Herz, dass er auf seine alten Tage von dort fortmusste, wo er sein Leben lang mit den Kollegen in bestem Einvernehmen gearbeitet hatte. Der Schiffsarzt, Dr. Glauner, führte mich zu dem Kranken. Da spürte man keinen Lebensmut mehr. Moritz Weilers letzter Wunsch war, auf hoher See zu sterben. Er verschied noch am gleichen Tage. Gemeinsam mit der Witwe sandte ich ein Telegramm an den in New York lebenden Sohn, damit er nach Havanna käme, um der Mutter beizustehen.
Die Fahrgäste befürchteten, dass eine an Bord befindliche Leiche die Landungsschwierigkeiten verschärfen könnte. So wurde der Verstorbene im Einverständnis mit der Witwe nachts in aller Stille versenkt. Leider blieb es nicht bei diesem einen Toten, denn kaum war die Bestattung beendet, kaum liefen die Motoren wieder, als ein junger Balte, der mit seinem Bruder zusammen in der Küche arbeitete, an derselben Stelle über Bord sprang, an der der Sarg an der Reling gestanden hatte. Ich drehte das Schiff sofort um, ließ ein Boot aussetzen, das ganze Gebiet mit Scheinwerfern ableuchten, - vergebens. Unser Boot fand nur die mit einem Wasserlicht versehene Rettungsboje wieder. Den Bruder musste man festhalten und einschließen, da auch er seinem Leben ein Ende machen wollte.
Fortsetzung folgt.

 

Im Flüchtlingsboot von Florida nach Auschwitz: Die Erinnerungen des Kapitäns der St. Louis

Andere Namen, andere Orte - Menschen flüchten um ihr Leben und niemand will sie aufnehmen. Vor Kriegsbeginn 1939 reisten über 900 jüdische Flüchtlinge auf dem Schiff St. Louis aus Deutschland aus. Viele von ihnen hatten schon die Grauen der KZ´s erlebt. Die Kinder an Bord spielten nach den Erinnerungen des Kapitäns Gustav Schröder nicht "Verstecken" oder "Fangen", sondern "Juden haben keinen Zutritt". 

Sie lagen schon im Hafen von Havanna und in einem US-Hafen in Florida, doch sie mussten zurück aufs Meer, zurück nach Europa, zurück zu ihren grausamen Verfolgern. Gustav Schröder, der Kapitän, viele Politiker, Journalisten und Freunde der unglücklichen Passagiere konnten doch noch das Schlimmste, die Rückkehr nach Deutschland, abwenden. Holland, Belgien und Großbritannien ließen die unglücklichen Menschen in ihr Land. Dort wurden sie dann doch zum Teil Opfer des erbarmungslosen Hasses auf Juden und starben nach Beginn des Krieges in den KZ´s und Vernichtungslagern. 

Amerika änderte seine Meinung und die wenigen Überlebenden durften doch noch kommen, als die Gefahr vorüber war. Viele Jahrzehnte später trafen die Überlebenden den letzten Verwandten des Kapitäns Gustav Schröder.

Dieser mutige Kapitän war nicht gleichgültig, sondern Mensch geblieben und hatte Mitleid nach dem biblischen Wort: was ihr dem Geringsten unter euch tut, das tut ihr für mich. Schröder verstand sich als Team-Player und war fest entschlossen, die ihm anvertrauten Passagiere sicher außerhalb Deutschlands an Land zu bringen. Sein Plan B sah vor, das Schiff vor England auf Grund zu setzen, um so die Aufnahme der Flüchtlinge als Schiffbrüchige zu erzwingen.

Als die Überlebenden in den neunziger Jahren in New York den Kapitän Schröder über alles lobten, tat der bescheidene Neffe Rudolf Schröder die Zivilcourage als Selbstverständlichkeit ab. Doch die ehemaligen Flüchtlinge und Todeskandidaten der Nazis widersprachen Schröder-Junior: "Ohne Gustav Schröder wären wir alle hier nicht mehr hier."

In Erinnerung an die Zivilcourage eines deutschen Helden angesichts von Hass auf Menschen, die anders sind, und angesichts von allgemeiner Gleichgültigkeit möchte ich an dieser Stelle die Erinnerungen des Kapitäns an diese Reise von Florida nach Auschwitz veröffentlichen. Denn Hass auf andere und Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen sind heute fast achtzig Jahre später immer noch verbreitet. Zum Glück ist die Mehrheit der Menschen noch einigermaßen besonnen und hat Mitleid. Diese Veröffentlichung ist daher auch ein Weckruf zu Besonnenheit und Mitleid und Zivilcourage, gerade jetzt, wo überall in Europa und in Deutschland Angst zu Hass, Gewalt und Gleichgültigkeit verführen. Angst war, ist und wird immer ein schlechter Ratgeber sein.

Der Kapitän schrieb diese Erinnerungen 10 Jahre nach den Ereignissen nieder, als der Krieg und die Nazi-Herrschaft zu Ende waren. Sein Büchlein ist 1949 im Becherdruck-Verlag in Berlin erschienen. Es scheint keinen Becher-Verlag mehr und auch keine Verwandten von Gustav Schröder zu geben. Daher habe ich mich entschlossen, diese Erinnerung auf eigene Faust als Dokument der Zeitgeschichte wieder zu veröffentlichen.

Falls trotz meiner Nachforschungen doch noch ein Rechtsnachfolger für dieses Dokument leben sollte, so bitte ich freundlich um Kontaktaufnahme und erkläre vorab meine volle Bereitschaft, die vorhandenen Eigentumsrechte des Rechtsnachfolgers zu respektieren.  

 

Europäer flüchten auch: in die USA, alle Jahre, alle Zahlen

Flüchtlinge gab und gibt es schon immer. Besonders viele, als es in Europa besonders furchtbar war: Kriege, Hungersnöte, Armut... Man nennt das die Abstimmung mit den Füßen.

Besonders anschaulich ist die Animation bei den folgenden Einstellung

  • Migrants to US p.a.
  • Log
  • Color: unique
  • Size: Migrants to US p.a.
  • Trails ohne Haken

siehe Beispiel-Einstellungen unten auf dem Bild

 

Flüchtlinge aus Europa

Putin im Eishockey-Team: Mit 62 Jahren noch 8 Tore

CC source: kremlin.ru - thank you comrades;-)

CC source: kremlin.ru - thank you comrades;-)

Politischer Witz: Der russische Präsident Putin ist eine echte Sportskanone und Team-Player. Mit 62 Jahren ist er noch richtig fit. So fluppte er vor ein paar Tagen bei einem Eishockey-Spiel. Nachdem er angeblich den Torwart des Gegners hinrichten ließ, schoss er sein erstes von insgesamt acht Toren.

Die Wutbürger in Brandenburg und Ost-Berlin, die so sehr unter Brüssels Gurken- und Olivenöl-Dekreten leiden, sollten vor der Auswanderung in die russische Steppe unbedingt mit einem Fitnesstraining beginnen. Plautze geht nur im dekadenten Westen. 

 

 

Neulich beim EU-Gipfel: Holland, Juncker und Merkel beim Baden...

Die Kaiserin ist nackt. CC thanks Olaf Gradin

Die Kaiserin ist nackt. CC thanks Olaf Gradin

Neulich beim letzten EU-Krisengipfel: Team Building Es ist Mai und schon ziemlich heiß. Juncker, Hollande und Merkel haben keine Lust mehr auf endlose Diskussion und büchsen nach dem Mittagessen aus.

Beim Spazieren kommen sie an einen wunderschönen Badesee. Der Himmel ist blau, der Wind bläst sanft über den See... It is swimming time. Doch an Badesachen hat natürlich niemand gedacht. Also, weil man ja unter sich ist, gehen sie alle eben nackt schwimmen, so wie Gott sie eben geschaffen hat.

Herrliches Wasser. Doch irgendwann ruft wieder das Pflichtgefühl und die drei schwimmen ans Ufer zurück. Als sie grade nackigt am Ufer stehen und sich wieder anziehen wollen, kommt ein ganzer Tross Journalisten vorbei. 

Die drei Politiker sind erschrocken und sehen schon die Schlagzeilen vor sich wie etwa: "EU geht baden" oder "Nackte Tatsachen beim Eurogipfel". Die beiden Herren halten sich die Hände vors Gemächt, nur Frau Merkel verdeckt ihr Gesicht mit ihren Händen.

Nachdem die Journalisten sich kräftig amüsiert und wieder verzogen haben, fragen Juncker und Hollande die Kanzlerin, warum sie denn ihr Gesicht versteckt habe und nicht den Intimbereich.

Merkel: Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist. Aber meine Wähler erkennen mich am Gesicht.

Cola-Team: Fritz Cola vor dem Weißen Haus

CC Geraint Rowland, Boy in Mali

CC Geraint Rowland, Boy in Mali

Vor dem Weißen Haus in Washington stehen plötzlich zwei Imbissbuden. Die eine mit der Fahne von Coca Cola, die andere mit dem Logo von Fritz Cola.

Klar, dass jeder Amerikaner, der einigermaßen bei Sinnen ist, bei Coca Cola seine Zuckerbrühe kauft und verächtlich auf Fritz Cola schaut. Plötzlich laufen Security-Leute aufgeregt hin und her, die Ü-Wagen von CNN, CBS, Fox News und anderen fahren vor. Der Präsident höchstpersönlich taucht auf - und ... er geht zu Fritz Cola.

Obama: Hi, you Germany Boys. So läuft das hier nicht. Hier ist das Weiße Haus, die Herzkammer der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Cola ist so amerikanisch wie das Weiße Haus und kein Mensch wird hier eure deutsche Pippi-Cola trinken.

Darauf der Direktor von Fritz Cola: Mit Verlaub, Mr. President, wir sind die Cola-Brothers und wir brauchen keine Ratschläge, wie Werbung und Verkauf funktionieren. 

Das ist Teamwork im Marketing: Lass sie wählen zwischen Cola X und Cola Y und niemand wird sich für einen Schluck Wasser entscheiden

 

Prinzipien des Teamwork: Du sollst nicht...

Hinweisschild in Chicago Downtown am Office Eingang: Du sollst nicht töten! 

Hinweisschild in Chicago Downtown am Office Eingang: Du sollst nicht töten! 

Ich habe neulich gehört, wie jemand über die Betreuung von alten Menschen gesprochen hat. Es ging vor allem um die Pflege der eigenen Eltern, soweit diese sich nicht mehr selbst versorgen könnten. Dabei kamen auch die 10 Gebote zur Sprache. Der Mann zitierte das vierte Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst."

Danach blickte der Sprecher in die Runde der Zuhörer und wollte wissen, ob die 10 Gebote auch etwas zum Umgang mit den Team-Kollegen zu sagen hätten. Aus der letzten Reihe rief dann einer: "Du sollst nicht töten!"

Work Life Balance: Vorbild Ameise

thank you Shockerz Lee CC BY 2.0

thank you Shockerz Lee CC BY 2.0

Von der Natur lässt sich jede Menge lernen, z.B. Work Life Balance oder auf gut Deutsch: die richtige Mischung. Ein gutes Beispiel dafür sind die Ameisen.

Man sieht sie ständig, wie sie Lasten schleppen, die das Eigengewicht wahrscheinlich um ein mehrfaches übertreffen. Und obwohl sie so hart arbeiten, sind sie bei jedem Picknick dabei.

Wer ist der Chef im Team?

thank you methodshop.com CC BY-SA 2.0

thank you methodshop.com CC BY-SA 2.0

Gehirn,  Augen, Magen und ein Schließmuskel  hängen nach Feierabend noch rum. Irgendwann fangen die wichtigen Organe an, sich aufzuspielen und über den Schließmuskel zu lästern.

Das Hirn: Ich bestimme, wo es lang geht. Ich bin der Chef. Du Schließmuskel kannst nur drücken und halten.

Augen: Ich bestimme, was schön ist und was nicht. Ich bin der Chef. Du, Schließmuskel, schaust für mich ganz schlecht aus.

Der Magen: Ich bekomme das ganze gute Essen. Ich muss der Chef sein. Du, Schließmuskel, kriegst nur meine Reste.

Der Schließmuskel wird sauer und macht zu. Nach sieben Tagen quillt der Magen über, die Augen sind verquollen und glasig, das Gehirn kann auch nicht mehr geradeaus denken.

Hirn, Augen und Magen kommen angekrochen und entschuldigen sich.

Sagt der Schließmuskel: Seht ihr, ich bin der Chef.

Und die Moral von der Geschichte:

  1. im Team wird jeder gebraucht
  2. jeder Arsch kann Chef werden.

Team Building in Saudi Arabien

Team Building Extreme betreiben diese Jugendlichen in Saudi Arabien. Während der Fahrt und barfuß wechseln sie die Reifen. Ein sehr eingespieltes Team. Die Anfrage, ob sie während der Fahrt auch Öl wechseln könnten, läuft noch. Solche Car Stunts, auch Drift Driving genannt, sollen in Saudi Arabien ziemlich populär sein.  Hoffentlich sitzt ein Mann am Steuer. Frau am Steuer wird mit Gefängnis und Peitsche bestraft. Obwohl das Video schon länger auf Youtube die Runde dreht, scheint niemand zu wissen, welches Strafmaß für diese Art des Team Building  ausgeschrieben ist.

Droht ein Anschluss der Ukraine? Wie Putin und sein Team ticken.

Ich habe keine Insider-Informationen aus Russland und über Putin. Allerdings spreche ich etwas Russisch und habe Russland und ehemals sowjetisch besetzte Länder bereist. 

Russland ist ein extrem frustrierendes und frustriertes Land. So frustrierend, dass die russischen Männer durchschnittlich mit Mitte 50 den Löffel abgeben. Die jungen Frauen wollen vorzugsweise auswandern. Dating Sites sind entsprechend voll. Katastrophal ist deshalb natürlich auch die demographische Entwicklung. Der muslimische Bevölkerungsanteil (Russland ist ein Vielvölkerstaat) wächst, der europäische fällt.

Außer IT, Wodka und Erdgas und -öl hat Russland der Welt nichts zu bieten. Einen Lada sieht man eigentlich nie auf deutschen Straßen, obwohl die FAZ auf den Auto-PR Seiten immer wieder mal einen Lada vorführt. Sergej Brin, Google Gründer und Auswanderer aus Russland, bezeichnete Russland als Nigeria mit Schnee.

In diesem Nigeria mit Schnee gibt es einige schöne Hotspots und Einkaufsmeilen für die russische High Society. Der Rest schaut in die Röhre oder auf die staubige Schlaglochpiste.

Kontrolle über das Land haben Putin und seine Geheimdienstleute, die mit Zuckerbrot und Peitsche das Land regieren. Zuckerbrot für alle, die spuren, Peitsche für die, die sich widersetzen. Das Zuckerbrot wird mit unseren Gas- und Ölmilliarden finanziert. Wenn die Gas- und Ölmilliarden weniger werden, dann droht auch der Kollaps des Systems Putin. Die Fettschicht der willigen Funktionäre muss gut geschmiert bleiben. 

Dieses System ist nun in dem Vasallenstaat Ukraine zusammengebrochen. Wahrscheinlich fiel das Zuckerbrot nicht mehr so üppig aus. Die enttäuschten Opportunisten haben dann den Vasallen Putins Janukowitsch fallen gelassen.

Wahrscheinlich fürchten Putin und sein Team der Top-Funktionäre nun dasselbe. Fotos von ihren lächerlichen Palästen mit goldenen Plüschsesseln und Porzellanlöwen, die um die Welt gehen. Diese Angst ist teilweise berechtigt, denn auch Putins wirtschaftliche Basis ist brüchig. Wenn die Gaspreise fallen, dann wird auch das Schmieren der Gefolgsleute schwieriger. Sollten Europa und die USA alternative Energie-Quellen erschließen, dann wäre Putin am Ende.

Noch beziehen wir 30% unseres Gases aus Russland. Putin könnte also ruhig schlafen. Doch das Vorbild der Ukraine könnte die Russen aufwecken.  Die Masse der russischen Unzufriedenen könnten bessere Schulen, Schwimmbäder, Straßen, Polizei... auch außerhalb Moskaus und St. Petersburgs verlangen. Diese menschlichen Bedürfnisse aber konnten Putin und seine Clique bisher nicht einmal ansatzweise erfüllen. 

In einer ex-Sowjetrepublik wie Estland können die einfachen Russen beobachten, dass politische und wirtschaftliche Freiheit Wohlstand für alle schafft, nicht nur für eine korrupte Fettschicht. Eine wohlhabende freie Ukraine in 2025 wäre für die normalen ungeschmierten Russen der Hammer und politische Motivation.

Daher ist eine freie wohlhabende Ukraine eine existenzielle Bedrohung des Systems Putin. Putin und sein Team aus Geheimdienst und Jubelrussen wird daher versuchen, die Ukraine wirtschaftlich, politisch und territorial auseinanderzunehmen. Im Hinblick auf die Krim scheint dies zu gelingen. Doch auch dies hat einen hohen Preis. Putin schweißt die Ukrainer wahrscheinlich zusammen, erzwingt westliche Solidarität mit dem Nachbarn und handelt sich möglicherweise einen neuen russisch-islamischen Schwelbrand ein.

Doch Putin scheint keine andere Wahl zu haben. Er hat wirklich Angst.

Hans-Peter Friedrich als Retter in der Not: Teambuilding der internationalen Polizeibehörden angebracht

Timeline der Affäre Edathy

Der Bundestagsabgeordnete Edathy war möglicherweise vorgewarnt, weil schon Monate vorher in Spanien, USA und Australien Kunden des zerschlagenen Kinderpornoportals verhaftet und verurteilt worden waren. Die internationalen Polizeibehörden tauschen zwar Informationen aus, aber ermitteln und verhaften mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Ein Teambuilding wäre angezeigt, um pädophile kriminelle Strukturen zu zerschlagen. Fast zwei Monate bevor die Staatsanwalt Hannover in Aktion trat, hatte die kanadische Polizei die weltweite Verfolgung von Kunden des kanadischen Kinderpornoportals publik gemacht. Somit konnten betroffene Personen in Deutschland sogar aus den normalen internationalen Medien erfahren, dass Jagd auf sie gemacht wird.  Als das BKA mit den Ermittlungen begann, da waren die spanischen Kollegen schon fertig und begannen mit den Verhaftungen. So etwas spricht sich in den entsprechenden Kreisen herum.

Möglicherweise gab es auch undichte Stellen innerhalb der SPD, dem BKA, den LKAs oder den zuständigen Staatsanwaltschaften. Aber selbst wenn es diese Informationslecks gegeben haben sollte, muss ein internetaffiner Pädophiler schon mit Blindheit geschlagen sein, wenn er über Foren und Medien nicht mitkriegt, dass sein Kinderpornoladen geschlossen wurde und die Kunden weltweit verfolgt werden. In den USA hatte der Fall schon im Dezember 2013 die Politik erreicht. Der Mitarbeiter eines prominenten Senators war erwischt worden.

Die verschiedenen Geschwindigkeiten der nationalen Polizeien haben sicher handfeste Hintergründe: Jedes Land hat andere Gesetze. Was in dem einen Land schon kriminell ist, ist in Deutschland gerade noch legal. Deshalb hat das BKA die Abarbeitung der Verdächtigenliste zeitlich hintangestellt.  Auch in Großbritannien verzögerten sich die Ermittlungen. Damit wurde jedoch automatisch in Kauf genommen, dass Verdächtigte durch schnellere Ermittlungen und Verhaftungen in anderen Ländern vorgewarnt sind.

Die pädophilen Käufer von Kinderpornos sind weltweit vernetzt. Die nationalen Polizeien natürlich auch. Aber was nützt die ganze Information über mögliche Täter, wenn diese Informationen beim BKA über ein Jahr auf Halde liegen. Mögliche Täter haben so genügend Zeit, Spuren zu verwischen.

Die Polizeien sollten nicht nur Informationen austauschen, sondern auch nationale Aktionen synchronisieren: Getrennt ermitteln, aber vereint zuschlagen. 

Die Information über den Verdacht gegen Edathy war dem BKA seit Januar 2011 bekannt. Da niemand diese Information auswertete, trat der Fall ein, dass ein mutmaßlicher Pädophiler den NSU-Bundestagsausschuss über die jüngsten Nazimorde in Deutschland leitete. Wenn der damalige Innenminister Friedrich nicht die Courage gehabt hätte, die SPD-Granden vor Edathy zu warnen, wäre Edathy wahrscheinlich bis zur Durchsuchung seines Hauses (das Bundestagsbüro wurde ja anscheinend vergessen) ein einflussreicher Politiker und möglicherweise Minister oder Staatssekretär der GroKo gewesen. Die aktuelle Regierung würde nun vor einem Scherbenhaufen stehen, weil ein möglicherweise krimineller Pädophiler am Koalitionsvertrag mitgebastelt und Regierungsentscheidungen mitgetragen hätte.

Friedrich war praktisch der letzte Mann vor der Strafraumgrenze, der möglicherweise auch unter Bruch des Dienstgeheimnisses ein taktisches Foulspiel begehen musste, um größeren Schaden von der Regierung und diesem Land abzuwenden.

Friedrich war somit der Team Player, der im letzten Augenblick Verantwortung übernehmen musste, weil möglicherweise die IT unserer Polizei (ich denke da an die zwei Papiermappen zum Fall Edathy, die der zuständige Staatsanwalt in Hannover zuletzt in die Fernsehkameras hielt) nicht auf der Höhe der Zeit ist, die internationale polizeiliche Koordination ebenfalls zu wünschen übrig lässt und auch die Gesetzeslage hinsichtlich Kinderpornographie einige Schlupflöcher aufweist

Fazit: Die Pädophilen sind weltweit vernetzt und rumänische Kinder landen auf Bildschirmen weltweit, aber die Politik und die nationalen Polizeien agieren nur auf nationaler Ebene mit drastischen Folgen für die ausgebeuteten Kindersklaven.

Da ich selbst in der Qualitätssicherung eines großen Internetkonzerns tätig war, bin ich immer wieder auf versteckte kinderpornographische Webseiten geführt worden und habe konsequent jeden Verdacht bei dem zuständigen LKA angezeigt (geht ganz einfach per E-Mail). Mein Mitgefühl gilt den Beamten, die sich diesen perversen Mist anschauen müssen. Mein Mitgefühl gilt aber ganz besonders den versklavten Kindern, die für den pädophilen Markt seelisch fertig gemacht werden.  Daher bin ich für eine effektive Überwachung des Internets und ein Teambuilding von Politik und Polizei weltweit, damit man vereint abschrecken und zuschlagen kann.