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Der Mensch im Tier oder Warum Tiere uns oft so ähnlich sind

Der Verhaltensbiologe Norbert Sachser von der Uni Münster legt in seinem jüngsten Buch dar, wie viel Mensch im Tier steckt. Umgekehrt könnte man sagen, wie viel Tier im Menschen steckt (was natürlich nicht so schmeichelhaft klingt).

Sachser Lieblings-Versuchskaninchen sind die Meerschweinchen. Meerschweinchen, die in einer intakten Beziehung und einem stabilen Umfeld leben, sind Stress resistenter. Ungeklärte Beziehungen führen wiederum zu Stress wie auch bei uns Menschen. Auch bevorzugen gestresste Ratten Alkohol gegenüber Wasser und scheinen so ihren Weltschmerz lindern zu wollen.

Schauen wir also in den Spiegel, wenn wir uns mit Tieren auseinandersetzen? Es spricht vieles dafür. Vor allem wenn wir unser kognitives Potential, sprich unser Gehirn, nicht einsetzen. Unter Stress und Angst schalten eben auch viele Menschen ihr Gehirn aus und ticken oft wie dumme Schafe, die einem guten Hirten oder einem bösen Führer folgen.

Was wir Menschen mit Tieren gemeinsam haben?

  • Säugetiere sind keine Spielbälle ihrer Instinkte und Reflexe, sondern individuelle Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Kein Schaf und keine Kohlmeise ist wie die andere. Bei ihrer Entwicklung spielen viele Prozesse hinein, besonders prägend sind die frühkindliche Umwelt und Adoleszenz oder Teenager-Phase. Doch auch Tiere aus schwierigen Verhältnissen und mit schlechten Genen können in einem liebevollen und stabilen Umfeld aufblühen und vernünftig leben. Das tierische Gehirn ist wie das menschliche selbst im Alter noch elastisch und wächst mit den Herausforderungen. Lebenslanges Lernen also auch für Tiere.

  • Genetisch dumme Mäuse, die in einem kreativen fordernden Umfeld aufwachsen sind ihren genetisch intelligenteren Kollegen aus einem abgestumpften Milieu überlegen. Das erworbene Verhalten wird an die nächsten Generationen weitervererbt, sprich die Stumpfheit der Elterngeneration wird genetisch weitergereicht. Glückliche soziale Umstände können diese schlechten Genen jedoch wieder puffern.

  • Tiere haben wie wir Menschen Emotionen. Furcht, Angst oder Freude werden bei Tieren und Menschen auf die gleiche Weise getriggert. Nach meiner Erfahrung vom Schafe Hüten haben Menschen und Herdentiere auch die gleichen sozialen Ängste. Der Herdentrieb oder die Furcht von der Herde abgesprengt zu werden, prägt sowohl Schafe wie Menschen. Tiere wie Menschen laufen Amok, wenn sie das Gefühl haben, den Anschluss zu verlieren. Holländische Soziologen beschreiben, wie die Nachbarn von Lottogewinnern Status-Ängste entwickeln, weil sie das Gefühl haben, nicht mehr mithalten zu können. Wahrscheinlich ist auch der weltweite Anstieg des Populismus damit zu erklären, dass die gesellschaftliche Auseinanderentwicklung von Einkommen bei vielen Ängste weckt, mit dem Gros der Herde/Gesellschaft nicht mehr mithalten zu können. Doch Angst ist ein schlechter Ratgeber und fördert die Irrationalität.

  • Bestimmte Tiere können auch denken und lernen. Sie erfinden und benutzen Werkzeuge und vererben ihr Wissen auch an die nachfolgende Generation weiter. Laut Sachser wissen Elefanten, Menschenaffen und Delfine, wer sie sind. haben also ein Ich-Bewusstsein. Tiere können in Ansätzen, was wir auch können. Aber eben nur in Ansätzen. Mit einem Kleinkind können sie es noch aufnehmen. Dass Tiere die besseren Menschen sind, ist ein Klischee. Auch Tiere können zu Mördern ihrer Artgenossen werden. So kann es auch bei Schimpansen zu Kriegen gegen den Nachbarstamm kommen.

    Was uns von Tieren unterscheidet?

  • Tiere können zwar auch kommunizieren, allerdings nur in beschränktem Umfang. Sie können sich nicht wie wir über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft austauschen.

  • Tiere können auch denken. Sie können jedoch kaum über sich und die Welt nachdenken. Sie können für ein paar Stunden und Tage im voraus planen, aber nicht Wochen, Monate, Jahre vorausdenken.

  • Tiere können ihre Kinder darin schulen, wie ein Werkzeug zu nutzen oder die Beute zu erlegen ist, aber sie können keine Werte und kulturellen Glaubenssätze weitergeben.

  • Tierische Erfindungen wie Werkzeuge werden eingesetzt. Das Know-how wird auch an die jüngere Generation weitergegeben. Aber es kann nicht weiterentwickelt und verfeinert werden. Es gibt keine technische Evolution.

  • Nur der Mensch kann, so er will, Werte wie Menschenrechte, Freiheit, Toleranz, Gleichheit, Solidarität… leben und so dem Diktat der egoistischen Gene entgehen.