TEAMWORK IN THE WILD #4: Der Biber hat einen Plan. Der Mensch packt mit an.

Einer weiß, wo es hingeht. Der andere packt mit an.

Deggendorf, 2019: Der damals 19-jährige Alexander Oswald und vier Freunde entdecken nachts einen Biber, der einen riesigen Ast über die Straße transportiert. Alexander steigt aus – und packt mit an.

Ein Biber hat einen Plan.

Er will einen ziemlich beeindruckenden Ast über eine Straße transportieren.

Das Problem:
Der Ast ist ungefähr fünfmal so lang wie der Biber selbst.

Nun könnte man sagen: ambitioniertes Projekt. Vielleicht etwas knapp kalkulierte Ressourcen.

Aber der Biber gibt nicht auf.

Und dann kommt Alexander vorbei.

Er beobachtet kurz, was der Biber vorhat – und macht etwas wunderbar Einfaches:

Er nimmt das andere Ende des Astes.

Und plötzlich tragen Mensch und Biber das Ding gemeinsam über die Straße.

Kein Meeting.

Keine Aufgabenverteilung.

Keine Diskussion darüber, wer eigentlich Projektleiter ist.

Der Biber kennt das Ziel.

Der Mensch erkennt, wo er helfen kann.

Und gemeinsam geht es leichter.

Vielleicht ist gute Führung manchmal genau das

Wir reden bei Teamwork und Leadership häufig über Strategien, Rollen, Prozesse und Kommunikation.

Alles wichtig.

Aber manchmal beginnt gute Zusammenarbeit mit einer viel einfacheren Frage:

Was versucht der andere gerade zu erreichen – und was kann ich dazu beitragen?

Alexander versucht nicht, die Führung zu übernehmen.

Er erklärt dem Biber auch nicht, wie man einen Ast richtig transportiert.

Er sieht:

Da weiß jemand ziemlich genau, wo er hinwill.

Nur bei der Umsetzung könnte ein bisschen Unterstützung helfen.

Also packt er mit an.

Helfen, ohne zu übernehmen

Vielleicht steckt genau darin eine interessante Leadership-Lektion.

Gute Führung bedeutet nicht zwangsläufig, immer vorne zu laufen.

Und Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass einer alles vorgibt und die anderen folgen.

Manchmal besteht der beste Beitrag darin,

zu erkennen, wann jemand Unterstützung braucht – und ihm genau so viel davon zu geben, dass er sein Ziel weiterhin selbst erreichen kann.

Das erleben wir auch beim Schafehüten.

Unsere Teams haben ein gemeinsames Ziel: Sie sollen gemeinsam mit einer Schafherde die nächste Weide erreichen.

Dabei funktioniert Führung nur selten über Kontrolle.

Wer versucht, jedes einzelne Schaf zu steuern, wird ziemlich schnell feststellen, dass Schafe ihre eigene Meinung haben.

Stattdessen müssen die Menschen beobachten:

Was macht die Herde?

Wo will sie hin?

Wo braucht es Führung?

Und wo wäre es besser, einfach mitzugehen?

Der Biber braucht keinen neuen Plan

Er braucht auch keinen neuen Chef.

Er braucht für einen Moment einfach jemanden, der das andere Ende nimmt.

Vielleicht ist das eine der sympathischsten Definitionen von Teamwork:

Einer weiß, wo es hingeht.
Der andere sieht, wo er helfen kann.
Und dann packen beide an.

Der Biber übrigens völlig unbeeindruckt.

Als hätte er nie daran gezweifelt, dass irgendwann ein Mensch auftaucht und endlich seinen Job macht.

TEAMWORK IN THE WILD ist meine kleine Serie über außergewöhnliche, lustige und manchmal berührende Beispiele von Teamwork und Führung bei Menschen und Tieren.

Denn manchmal lernt man über Zusammenarbeit mehr auf einer nächtlichen Landstraße als in einem Seminarraum.