TEAMWORK IN THE WILD #7: Hausmeister - ein Job, der Leben rettet (das eigene)

Eigentlich müsste diese Geschichte nach ungefähr fünf Sekunden vorbei sein. Ein kleiner Frosch-Papa trifft eine Vogelspinne. Die ist ungefähr so gebaut, dass der Frosch beim ersten Blick denkt: „Wer kümmert sich jetzt um die Kids?“

Aber dann passiert etwas völlig anderes.

Die Spinne frisst ihn nicht. Mehr noch: Sie beschützt ihn. Und der Frosch revanchiert sich. Willkommen in der wahrscheinlich merkwürdigsten Wohngemeinschaft der Natur.

WG gesucht: feucht, ruhig, möglichst ohne Ameisen

Bei bestimmten Arten leben kleine Frösche und große Vogelspinnen tatsächlich im selben Unterschlupf. Die Rollenverteilung ist erstaunlich klar. Die Vogelspinne kümmert sich um größere Eindringlinge. Der Frosch kümmert sich um die kleinen. Vor allem um Ameisen und andere Krabbeltiere, die für Eier und Nachwuchs gefährlich werden können.

Man könnte sagen:

Die Spinne ist Security.
Der Frosch ist Kammerjäger.

Zusammen betreiben sie eine ziemlich effiziente Hausverwaltung. Nur die Eigentümerversammlung stelle ich mir schwierig vor.

Eigentlich könnten sie IHN Auffressen

Und genau das macht diese Partnerschaft so spannend. Die beiden sind nicht deshalb ein gutes Team, weil sie sich so ähnlich sind. Ganz im Gegenteil.

Wenn man sie nebeneinanderstellt, denkt niemand: „Die beiden harmonieren bestimmt hervorragend.“ Der eine ist klein, feucht und hüpft. Die andere hat acht Beine und sieht aus, als hätte jemand bei der Evolution irgendwann gesagt: „Können wir das bitte noch etwas hässlicher und fieser machen?“

Und trotzdem funktioniert die Zusammenarbeit. Warum?

Weil beide etwas haben, das der andere braucht. Der Frosch profitiert vom Schutz der Spinne. Die Spinne profitiert davon, dass der Frosch kleine Eindringlinge fernhält.

Sie müssen sich dafür nicht mögen. Sie müssen sich nicht einmal besonders sympathisch finden.

Das gemeinsame Interesse reicht.

Muss ein Team sich eigentlich mögen?

Diese Frage taucht bei Teambuildings immer wieder auf. Und meine Antwort lautet:

Nein.

Natürlich hilft es, wenn Menschen sich mögen. Aber ein gutes Team ist keine Reisegruppe ins Sauerland.

Entscheidend ist etwas anderes:

Können wir miteinander arbeiten, obwohl wir unterschiedlich sind?

Oder noch schwieriger:

Können wir miteinander arbeiten, obwohl wir uns eigentlich nicht besonders leiden können?

Der Frosch und die Vogelspinne beantworten diese Frage ziemlich eindeutig. Sie haben offenbar keinen gemeinsamen Betriebsausflug gemacht. Keinen Persönlichkeitstest. Keine Feedbackrunde. Und trotzdem können sie etwas, woran manche Organisationen jahrelang arbeiten:

Der andere muss nicht mein Freund sein, um mein Partner zu werden.

Aus FEINDEN werden Partner

Das finde ich besonders spannend. In Unternehmen erleben wir oft Abteilungen, die sich eher wie natürliche Feinde verhalten.

Vertrieb gegen Controlling.

Produktion gegen Einkauf.

Zentrale gegen Niederlassung.

Marketing gegen alle.

Jeder verteidigt sein Revier. Jeder kennt ganz genau die Fehler der anderen. Und irgendwann kommt eine Situation, in der man feststellt:

Mist. Wir brauchen die.

Das ist häufig der Moment, in dem Zusammenarbeit wirklich interessant wird. Nicht, wenn sowieso alle einer Meinung sind. Sondern wenn zwei Seiten erkennen:

Wir müssen uns nicht lieben. Aber zusammen kommen wir weiter.

Beim Schafehüten Teambuilding ist das übrigens ähnlich

Auch beim Schafehüten treffen Menschen aufeinander, die sehr unterschiedlich ticken.

Der eine will sofort los.

Die nächste möchte erst einmal alles analysieren.

Der Dritte hält Analyse für Arbeitsverweigerung.

Und irgendwo hinten steht jemand und sagt:

„Die Schafe laufen übrigens gerade weg.“

Dann hilft es wenig, darüber zu diskutieren, wer recht hatte. Das gemeinsame Ziel ist ziemlich eindeutig:

Die Herde soll auf die nächste Weide.

Und plötzlich passiert etwas Interessantes.

Menschen, die fünf Minuten vorher noch völlig unterschiedliche Vorstellungen hatten, arbeiten zusammen.

Nicht weil sie plötzlich beste Freunde geworden sind.

Sondern weil das Ziel wichtiger wird als der Unterschied.

Vielleicht ist das die eigentliche Teamwork-Lektion

Gute Zusammenarbeit beginnt nicht immer mit Sympathie. Manchmal beginnt sie mit einer viel nüchterneren Erkenntnis:

Allein komme ich hier nicht weiter.

Und dann wird aus dem Konkurrenten ein Partner.

Aus dem möglichen Gegner ein Verbündeter.

Und aus einer Vogelspinne und einem kleinen Frosch eine ziemlich erfolgreiche WG.

Vielleicht sollten wir in Konflikten deshalb öfter fragen:

Was können wir gemeinsam erreichen, das keiner von uns allein schafft?

Und wenn selbst ein Frosch mit einer Vogelspinne zusammenarbeiten kann, gibt es eigentlich nur noch sehr wenige überzeugende Ausreden für die bereichsübergreifende Besprechung. Wenn Frosch und Vogelspinne das hinkriegen, Wenn Frosch und Vogelspinne das hinkriegen, dann vielleicht sogar Vertrieb und Controlling.