Wer gestern bei unserem Schafehüten-Teambuilding genau hingeschaut hat, dürfte sich irgendwann gefragt haben: Was macht eigentlich die Kuh zwischen all den Schafen?
Sie gehört dazu.
Elsa lebt in der Schafherde. Ihre Mutter ist früh verstorben, sie wurde mit Ziegenmilch großgezogen und ist heute vollständig in die Herde integriert.
Wenn die Schafe losziehen, zieht Elsa mit.
Gestern führte unser Weg sogar über eine Autobahnbrücke. hinter und neben Elsa: Schafe.
Eine Kuh, die offenbar keinerlei Zweifel daran hat, zu wem sie gehört.
Zugehörigkeit hat wenig mit Ähnlichkeit zu tun
Elsa sieht anders aus. Sie ist größer, bewegt sich anders und ist – ziemlich unübersehbar – kein Schaf.
Die Herde scheint das allerdings wenig zu interessieren.
Elsa gehört dazu.
Ich finde, darin steckt eine schöne Vorstellung von Teamwork. Ein gutes Team funktioniert nicht deshalb, weil alle gleich sind.
Man muss nicht gleich denken, gleich arbeiten, gleich alt sein oder aus derselben Ecke kommen, um gemeinsam gut zu funktionieren.
Das erlebe ich immer wieder bei unseren Schafehüten Teambuildings, zum Beispiel mit Teams der Europäischen Zentralbank. Dort treffen Menschen aufeinander, die sehr unterschiedlich sind: jung und alt, Nord und Süd, Ost und West, unterschiedliche Nationalitäten, Erfahrungen und Arbeitsweisen.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – erlebe ich dort häufig ausgesprochen starke Teams.
Woran erkenne ich ein sehr gutes Team?
Beim Schafehüten Teambuilding wird das erstaunlich schnell sichtbar.
Die Gruppe steht vor einer Herausforderung. Sie bespricht sich, entwickelt eine Idee und verabredet, wer was macht. Ein Plan steht.
Bis dahin unterscheiden sich gute und durchschnittliche Teams oft noch gar nicht besonders stark.
Der Unterschied zeigt sich im nächsten Moment.
Bei einem sehr guten Team wird die Verabredung sofort umgesetzt. Wenn die Schafe loslaufen, steht jeder dort, wo es vorher vereinbart wurde. Die Beteiligten übernehmen ihre Rollen, reagieren aufeinander und setzen den gemeinsamen Plan tatsächlich in die Tat um.
Zwischen Verabredung und Umsetzung liegt manchmal gerade eine Minute.
Bei vielen normalen Teams sieht es anders aus.
Auch dort gibt es einen Plan. Auch dort wurde eigentlich klar vereinbart, wer wo stehen und was tun soll.
Dann beginnt die Herausforderung – und plötzlich ist von der Verabredung nur noch wenig zu erkennen.
Einer steht an der falschen Stelle. Ein anderer läuft spontan irgendwohin. Jemand übernimmt eine Aufgabe, die eigentlich jemand anderem zugedacht war. Die Kommunikation wird hektisch – und der Plan, der wenige Minuten zuvor noch völlig klar erschien, ist nur noch heiße Luft.
Dann wird nachjustiert, wieder besprochen, noch einmal ausprobiert.
Und manchmal dauert es tatsächlich zwei Stunden, bis das Team seine eigene Verabredung so umsetzt, dass sie in der Praxis funktioniert.
Für mich ist genau das eines der deutlichsten Qualitätsmerkmale eines sehr guten Teams:
Es kann eine gemeinsame Verabredung unter realen Bedingungen sofort in gemeinsames Handeln übersetzen.
Nicht nur einen guten Plan machen.
Sondern ihn gemeinsam leben, sobald es darauf ankommt.
Elsa bleibt trotzdem Elsa
Und genau das gefällt mir auch an Elsa.
Denn sie läuft keineswegs immer brav mit.
Manchmal macht sie ihr eigenes Ding.
Sie entscheidet sich für einen anderen Weg, bleibt irgendwo stehen oder findet etwas anderes gerade interessanter als das, was die Schafe vorhaben.
Sie ist integriert.
Aber sie ist nicht angepasst.
Und vielleicht liegt genau da ein Unterschied, den wir auch in menschlichen Teams gelegentlich vergessen.
Integration bedeutet nicht Gleichmacherei.
Ein gutes Team muss Unterschiede nicht beseitigen. Es sollte stark genug sein, sie auszuhalten – und im besten Fall sogar zu nutzen.
Der eine läuft sofort los. Die andere beobachtet erst einmal. Einer übernimmt Führung. Jemand anderes erkennt viel früher, was die Tiere gerade machen.
Problematisch werden diese Unterschiede erst, wenn daraus ein „richtig“ und ein „falsch“ wird.
Viel interessanter ist die Frage:
Wie schaffen wir es, mit all unseren Unterschieden gemeinsam handlungsfähig zu werden?
Elsa liefert darauf eine ziemlich einfache Antwort.
Sie läuft mit den Schafen.
Die Schafe laufen mit Elsa.
Und wenn Elsa zwischendurch einmal meint, dass sie etwas anderes machen muss, bleibt sie trotzdem Teil der Herde.
Vielleicht ist das eine der schönsten Definitionen von Zugehörigkeit:
Du musst nicht so sein wie wir.
Aber wir müssen einen Weg finden, gemeinsam loszugehen.
Und manchmal sieht ein ziemlich gutes Team eben aus wie eine Kuh mitten in einer Schafherde auf einer Autobahnbrücke. 🐄🐑
