Was macht ein Warzenschwein, wenn 100 Kilo Körpergewicht und mächtige Hauer bei einem Problem überhaupt nichts helfen?
Es holt sich Spezialisten.
Mangusten.
Die kleinen Tiere klettern über das Warzenschwein, suchen Haut und Fell ab und fressen die Parasiten. Für die Mangusten ist das eine Mahlzeit, für das Warzenschwein Körperpflege.
Beide haben etwas davon.
Was ich an dieser Zusammenarbeit besonders schön finde: Hier hilft nicht einfach der Große dem Kleinen. Im Gegenteil. Das kleine Tier kann etwas, was das große nicht kann.
Das Warzenschwein bringt Kraft mit. Die Mangusten sind flink, beweglich und kommen an Stellen, die das Warzenschwein selbst nicht erreicht.
Eigentlich eine ziemlich gute Beschreibung von Teamarbeit.
Ein Team braucht nicht fünfmal dieselbe Stärke
Auch in Teams suchen wir oft nach Menschen, die „gut zusammenpassen“. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Manchmal meinen wir damit aber unbewusst: ähnliche Denkweise, ähnliche Arbeitsweise, ähnliche Erfahrungen.
Dabei entsteht Stärke oft gerade durch Unterschiede.
Der eine sieht schnell das große Ganze, der andere entdeckt Details. Einer bringt Tempo, ein anderer merkt früh, wo etwas schieflaufen könnte. Manche können Menschen begeistern, andere sorgen dafür, dass aus Begeisterung am Ende auch etwas Verlässliches wird.
Ein gutes Team muss also nicht aus Menschen bestehen, die sich möglichst ähnlich sind.
Interessanter ist die Frage: Ergänzen sich ihre Fähigkeiten?
Und man muss die anderen auch machen lassen
Noch etwas gefällt mir an dem Bild mit dem Warzenschwein.
Es muss akzeptieren, dass jemand anderes dieses Problem besser lösen kann.
Das klingt banal. In Teams und gerade in Führungsrollen ist es das oft nicht.
Man kann Aufgaben delegieren und trotzdem ständig eingreifen. Man kann Experten im Team haben und ihnen trotzdem kaum Raum geben. Oder man kann anerkennen: Hier kann jemand anderes mehr als ich.
Beim Schafehüten erleben wir genau das immer wieder. Manche haben ein besonderes Gespür für Tiere, andere behalten die Gruppe im Blick oder übernehmen ganz selbstverständlich Führung. Häufig sind es Menschen, die Erfahrung mit Tieren oder Kindern haben. Entscheidend ist: Das Team erkennt diese unterschiedlichen Stärken – und lässt die jeweiligen Leute auch machen.
Und die, die es können, dürfen sich auch nicht wegducken. Wenn die Vernünftigen es nicht machen, machen es die Idioten
Und übrigens: Auch beim Schafehüten haben wir gelegentlich mit Zecken zu tun. Deshalb gehört nach dem Teambuilding der obligatorische Zeckencheck dazu.
Allerdings bislang noch ohne Mangusten.
Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser ungewöhnlichen Partnerschaft:
Stärke heißt nicht, alles selbst zu können.
Stärke heißt auch zu wissen, wann jemand anderes etwas besser kann.
Und manchmal ist der beste Spezialist eben eine Manguste.
